Leserbrief von Uwe Pott
Wenn der Landarzt kopfschüttelnd den Saal verlässt…
Montag, 9. Februar 2026, 19:30 Uhr, Stadtverordnetenversammlung der Stadt Homberg im Dorfgemeinschaftshaus Maulbach. Alle sind da, auch viele Zuschauer, es geht wohl um was Wichtiges. Schnell fällt auf, einer fehlt – nämlich der Zugang zum Internet. Es soll eine Stadtverordnetenversammlung durchgeführt werden, ohne dass die Stadtverordneten auf ihr Ratsinformationssystem zugreifen können, weil im DGH Maulbach kein WLAN zur Verfügung steht. Im Februar 2026, die Welt, auch die der Kommunalverwaltung, redet von Digitalisierung!
Man könnte vermuten, dass die verantwortliche Verwaltungsleitung die Contenance verliert und mit Nachdruck ihre Mitarbeiter nach einer umgehenden Lösung suchen lässt – tut sie aber nicht. 30 bis 40 Minuten gehen in den muffigen Raum, bis gegen 20:10 Uhr das Passwort für das WLAN des naheliegenden Kindergartens zumindest den Stadtverordneten zur Verfügung steht. Ein maulbacher Bürger hatte offensichtlich seine privaten Kontakte zu einer Mitarbeiterin des Kindergartens genutzt – die letzte Sitzung der laufenden Legislaturperiode kann beginnen.
Die Fraktion Bürgerforum stellt einen Eilantrag auf eine Änderung der Tagesordnung. Man schlägt vor, die Fragestellung nach der zeitnahen Schaffung für Parkplätze für die neue Arztpraxis in der Frankfurter Straße, auf die Tagesordnung zu nehmen. Der Zuschauer hält das für eine Trivialität, denn Homberg ist auf diesen Arzt angewiesen. Ein anderer Arzt hatte seine Tätigkeit aus Altersgründen aufgegeben, ein weiterer musste seine Praxis wegen einer Erkrankung schließen. Man geht also davon aus, dass die Stadtverordneten sich ihrer Verantwortung für die Daseinsvorsorge im Hinblick auf die ärztliche Versorgung bewusst sind und den Arzt in seinem Streben entsprechend unterstützen. Alle wissen, wie wichtig das ärztliche Vorhaben für die Versorgung Hombergs ist und alle haben begriffen, dass eine Praxis mit so großem Zuspruch auch entsprechend mehr Parkraum benötigt. Man geht davon aus, dass der Antrag angenommen wird, das Thema auf die Agenda kommt und über die Aufhebung des Sperrvermerks für die Finanzierung der Baumaßnahme debattiert wird.
Über den Antrag auf Änderung der Tagesordnung wird namentlich abgestimmt.
Ein Raunen geht durch die Zuschauer, der Antrag wird abgelehnt. Es findet sich nicht die erforderliche 2/3-Mehrheit der Stadtverordneten, das wichtige Thema der Daseinsvorsorge kommt nicht auf die Tagesordnung, das bedeutet eine Verzögerung bis in den Mai des Jahres – also erst mit dem dann neu gewählten Stadtparlament!
Der Landarzt steht auf und verlässt kopfschüttelnd den muffigen Saal – die Zuschauer bleiben ratlos zurück, auf sie warten noch weitere fragwürdige Wortwechsel (z.B. das Ergebnis der durchgeführten Akteneinsicht im Thema alte Berufsschule, warum findet das Abwasser der Kita in Nieder-Ofleiden nicht seinen Weg in das Kanalsystem, etc…) im weiteren Verlauf dieser denkwürdigen Sitzung.
Hier nur noch der kurze Hinweis: Mit dem Ratsinformationssystem SD.NET kann man auch namentliche Abstimmungen durchführen. Die Nutzung dieser Funktionalität würde den Sitzungsverlauf optimieren.




